Episode 02: Was glaubst Du denn ?
„Wohin gehen wir, wenn wir sterben?“
Ich glaube, das ist eine der grundlegendsten Fragen, die wir Menschen uns irgendwann stellen. Und wenn wir ehrlich sind, hat niemand eine sichere Antwort darauf.
Nicht die Wissenschaft.
Nicht die Religion.
Nicht die Philosophie.
Seit Anbeginn der Zeit versuchen Menschen zu verstehen, was nach dem Tod geschieht. Sie erzählen Geschichten vom Himmel, von Sternen, von Seelen, die weiterreisen, von einer Liebe, die bleibt, oder auch einfach dem simplen “nichts” — wenn ein Mensch nicht mehr da ist.
Die Wahrheit liegt möglicherweise irgendwo dazwischen und vielleicht ist genau das der Grund, warum uns die Frage so tief berührt. Und warum wir ins Stocken geraten, wenn ein Kind sie stellt.
„Wo ist Onkel Martin jetzt?“ — Und schon suchen wir krampfhaft nach der richtigen Antwort.
Nach etwas, das Trost spendet.
Nach etwas, das Sicherheit gibt.
Nach etwas, das die Traurigkeit ein wenig leichter macht.
Aber was wäre denn , wenn unsere Aufgabe gar nicht darin besteht, die perfekte Antwort zu finden? Vielleicht dürfen wir etwas viel Wertvolleres tun: einfach einmal zuhören.
Denn wenn Kinder fragen: „Wo ist Onkel Martin jetzt?“, suchen sie oft nicht nach einer wissenschaftlichen Erklärung. Ich würde sogar sagen, sie wollen genau diese nicht hören.
Sie öffnen vielmehr eine Tür für uns. Eine Tür zu ihren Gedanken, zu ihren Hoffnungen und zu all den Bildern, die sie in ihrem Herzen tragen.
Sollten wir also in einer solchen Situation vielleicht einfach einmal durchatmen und sowohl unsere Kinder als auch uns selbst fragen :
„Was glaubst du denn?“
Denn so betreten wir plötzlich gemeinsam einen neuen Raum — einen Raum voller Gedanken, Hoffnungen und Bilder, die bereits in unseren Herzen leben .Wenn Kinder dann antworten:
„Vielleicht sitzt er jetzt gerade auf einer Wolke.“
Oder:
„Vielleicht ist er in meiner Spielecke.“
Dann müssen wir nicht auch nicht widersprechen. Wir dürfen unsere Hoffnungen miteinander teilen, denn wenn wir ehrlich sind, kennen wir die Antwort auf solche Fragen doch selbst nicht…
Ich glaube, Kinder besitzen etwas, das wir Erwachsenen oft verlieren. Die Fähigkeit, Möglichkeiten offen zu lassen.
Sie brauchen nicht immer unsere Antwort. Sondern manchmal auch einfach die Freiheit, ihre eigene zu finden.